Geschlossener Rücktritt erwogen
Heftige Auseinandersetzungen und verweigerte Entlastung beim Verbandsausschuss in Cham

- 27.04.2026
- Von: BBV Geschäftsstelle
Am Eklat vorbeigeschrammt ist der BBV-Verbandsausschuss am Wochenende in Cham. Das BBV-Präsidium unterbrach die Tagung mit den 20 Delegierten aus ganz Bayern und beriet spontan hinter verschlossenen Türen über einen geschlossenen Rücktritt. Präsident Bastian Wernthaler informierte die Delegierten anschließend, man habe sich lediglich „mehrheitlich“ gegen einen Rücktritt entschieden und setzte die Tagung fort.
Hintergrund der Eskalation waren außergewöhnlich scharfe Attacken auf das BBV-Präsidium in den Jahresberichten der Bezirksvorsitzenden von Oberbayern und Schwaben. Mit ihrer Stimmenmehrheit hatten die beiden Bezirke beim Jugendbeirat am Samstag dann BBV-Jugendreferent Wolfgang Heyder die Entlastung verweigert.
Beim Verbandsausschuss am Sonntag erhielten Präsident Wernthaler sowie die Ressortleiter Sportorganisation und Finanzen, Robert Daumann und Franz Ostermayer, die Entlastung nur jeweils knapp gegen 31 Stimmen aus Oberbayern sowie bei Enthaltung von 15 Stimmen aus Oberbayern und 13 aus Schwaben.
Heyder nannte dieses Vorgehen „befremdlich“. Die schriftlichen Berichte der beiden Bezirksvorsitzenden Rainer König (Oberbayern) und Mike Lippert (Schwaben) seien „nur auf Spaltung angelegt“ und entsprängen wohl „verletzter Eitelkeit“. BBV-Ehrenmitglied und DBB-Vizepräsident Werner Lechner als Sitzungsleiter rügte das Vorgehen der beiden Bezirksvorsitzenden als „beschämend“.
Unterfrankens Bezirksvorsitzender Ludwig Schmidt wurde deutlicher und schimpfte, es sei „unglaublich, was hier abgeht“. König und Lippert hätten ihre Position „wirklich missbraucht“, ihnen sei offenkundig „die Gemeinschaft egal“. Sichtlich angefressen monierte er, „wie viel Aufwand von allen nötig ist, um mit dieser negativen Energie umzugehen, die Ihr hier reinbringt“.
Oberfrankens Bezirksvorsitzender Simon Moritz distanzierte sich ausdrücklich von den Attacken der beiden Kollegen. Er habe sich aus der einst geschätzten Abstimmung der Bezirksvorsitzenden zurückgezogen, weil die „zuletzt oft instrumentalisiert wurde, um eine angebliche Frontstellung der Bezirke gegen das Präsidium aufzubauen“. Davon könne aber nicht die Rede sein.
König hatte in seinem Bericht das Geschehen des Jahres in seinem Bezirk nur in einem Absatz gestreift und über drei Seiten das BBV-Präsidium attackiert. Auf die Empörung im Verbandsausschuss sagte er, er rüge seit geraumer Zeit „mangelhafte Kommunikation“ des Präsidiums gegenüber den Bezirken, dies habe nun „einen Tiefpunkt erreicht“.
Unter anderen, nicht auf Anhieb entschlüsselbaren Vorwürfen, war der zentrale Auslöser seiner Kritik die Vorlage eines neuen Satzungsentwurfes mit weitreichenden Auswirkungen durch das BBV-Präsidium. Eine derartig gravierende Weichenstellung „drei Jahre zu bearbeiten und uns dann ein paar Tage vor dem Verbandsausschuss hinzuklatschen“, sei ein Unding. Selbstverständlich könne er auch viel am BBV loben, räumte er ein, „aber mit der Arbeit, die an uns vorbei läuft, bin ich nicht zufrieden“.
Das BBV-Präsidium hatte in der vorgeschalteten internen Präsidiumssitzung mit den Bezirksvorsitzenden dargelegt, dass der Satzungsentwurf nur als Startschuss zu einer intensiven Diskussion in und mit allen Bezirken bis zum Verbandstag 2027 gedacht sei. Die Bezirke Mittelfranken, Oberfranken, Oberpfalz und Unterfranken hatten sich daran nicht gestört.
Lippert hatte am Ende seines Jahresberichts aus dem Bezirk Schwaben diese Vorlage ebenfalls als „strukturellen Alleingang“ gerügt. Außerdem warf er dem BBV „eine Kette massiver Fehler vor, die das Vertrauensverhältnis zwischen Bezirk und Verband bis ins Mark erschüttern“. Unter anderem nannte er die Umstände der Einführung der neuen Mailadressen oder aus seiner Sicht mangelhafte Einberufung von Sitzungen.
Auch er monierte, dass der BBV, anstatt ausreichend zu informieren, den Bezirken eine “Informations-Holschuld“ aufbürde. Ihm fehle „aktuell die Fantasie, wie eine gemeinsame Basis für eine konstruktives und vertrauensvolles Miteinander aussehen könnte“, schloss Lippert und forderte vom BBV „eine radikale Abkehr vom aktuellen Kurs“. Im Verlauf des Verbandsausschusses beklagte er dann „einen Spießrutenlauf“, dem er und König ausgesetzt seien. Seine inhaltliche Kritik würde darüber „einfach weggewischt“.
Wernthaler sagte auch, angesichts des 2027er Verbandstags mit anstehenden Neuwahlen hätte er beim Ausschuss in Cham auch bereits über Personalia reden wollen, „aber wie soll ich Nachfolger-Gespräche führen mit so einem Berichtsheft“? Für ihn sei nun „nicht absehbar, wie es 2027 weitergeht“. Nun sollten mal „die Bezirke, die uns so angehen, sich überlegen, wie’s weitergehen soll“.
Werner Lechner appellierte in persönlichen Worten an König, einst sein direkter Nachfolger im Bezirksvorsitz von Oberbayern, sich angesichts der Reaktion auf seinen Bericht „mal Gedanken zu machen“. Lechner stellte offen in Abrede, dass König mit seiner Position den Bezirk vertrete: „Das ist nur Deine persönliche Meinung.“
Klaus Bachhuber



















