Präsenter und sichtbarer werden

Vortragsreihe „bayeriscHer“ mit erstem Online-Vortrag des Jahres

Die Vortragsreihe „How to empower women resources“ in der BBV-Initiative „bayeriscHer“ ist ins neue Jahr gestartet. Referentin der ersten Online-Veranstaltung 2026 war Tatiana Schraml, die ihre Bachelorarbeit der Universität Bayreuth vorstellte.

Unter dem Titel „Barrieren und Hindernisse für Basketballerinnen in Deutschland – eine empirische Analyse“ zeigte sie: Trotz Fortschritten bestehen weiterhin zahlreiche Hürden für Frauen und Mädchen im Basketball.

Tatiana Schraml, selbst Spielerin und Jugendtrainerin beim BBC Bayreuth, unterscheidet in ihrer Arbeit dabei soziale, strukturelle, ökonomische sowie institutionelle Barrieren. So wirkten Stereotype wie „Basketball ist ein Jungensport“ noch immer abschreckend, betonte sie: „Deshalb kann es sein, dass junge Mädchen immer noch Angst vor Ausgrenzung, einer Stigmatisierung haben, und sich gar nicht erst trauen, sich im Verein anzumelden.“

Zudem fehle es an weiblichen Vorbildern. Es gäbe inzwischen zwar schon „aktuell tolle Spielerinnen in Deutschland“, aber „es geht auch um Trainerinnen, Schiedsrichterinnen, Kommentatorinnen“. Auch Fragen der Vereinbarkeit von Sport, Beruf und Familie erschwerten langfristige Perspektiven.

Strukturelle Defizite zeigten sich laut Tatiana Schraml besonders im Vereinsalltag. Sie berichtete aus ihrer eigenen Erfahrung in Bayreuth von ungleichen Trainingsbedingungen, fehlenden Hallenzeiten und mangelnder personeller Unterstützung im Vergleich zu männlichen Teams. „Die Strukturen sind noch immer stark männlich geprägt“, betonte sie und forderte gleiche Voraussetzungen für alle.

Hinzu kommen finanzielle Hürden: Oft fehlten wohnortnahe Angebote für vor allem auch leistungsorientierte Mädchen, was längere Anfahrten bedeute. Gleichzeitig mangele es an qualifizierten Trainerinnen mit spezifischer Expertise für den Mädchen- und Frauenbereich. Ein sogenannter „Gender Data Gap“ in Forschung und Trainingslehre erschwere zudem eine gezielte sportliche und medizinische Betreuung.

Auch ökonomisch sei die Situation angespannt. Während bereits im Profifußball deutliche Gehaltsunterschiede bestehen, generiere Basketball insgesamt noch weniger Einnahmen für Frauen. Viele Spielerinnen könnten nicht vom Sport leben, müssten parallel arbeiten oder studieren.

Unsichere Verträge, fehlende Einnahmen außerhalb der Saison und Aspekte einer Schwangerschaft minderten die Attraktivität einer Profikarriere – auch mit der Folge, dass Talente ins Ausland abwanderten. Zudem fehlten Sponsoren, was eng mit der geringen medialen Sichtbarkeit zusammenhänge.

„Mehr Präsenz bedeutet auch mehr Einnahmen“, so Schraml. Die Darstellung von Frauensport, insbesondere auch im Basketball, sei wichtig, weil neben ökonomischen Aspekten „da eben die Möglichkeit ist, die Sichtbarkeit, die Anerkennung von Leistungen von Frauen zu schaffen.“

Ein weiterer zentraler Punkt: Frauen seien in Führungspositionen im Sport weiterhin unterrepräsentiert: „Wir haben Strukturen, die Männer bevorzugen, und wir haben keine oder zu wenig Frauen in Entscheidungs- und Führungspositionen, die eben für die Frauen einstehen würden. Dazu bekommen Frauen in der Sozialisation eher beigebracht, sich zurückzuhalten, und sich zurückzunehmen.“ Hier brauche es gezielte Förderung und Verbündete. Initiativen wie die Agenda 2030 des BBV oder die „Dekade des Frauenbasketballs“ seien wichtige Schritte in die richtige Richtung.

Im Anschluss entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Die Teilnehmerinnen brachten eigene Erfahrungen ein und diskutierten konkrete Lösungsansätze – etwa stärkere Elternbeteiligung, klare Aufgabenverteilung im Verein und den gezielten Einsatz digitaler Vereinsmedien.

Ein praxisnahes Beispiel stellte „Artio“ Nürnberg vor. Vorsitzende Julia Harms berichtete von der Gründung des eigenen Mädchen- und Frauenvereins vor rund fünf Jahren. Im Zentrum steht bei „Artio“ die Idee, wie junge Spielerinnen langfristig begeistert und sichtbar gemacht werden können.

Deshalb initiierte „Artio“ – erstmals bei einem Camp – auch eine gezielte Medienstrategie: Eltern und Spielerinnen erhalten regelmäßig kurze Video-Clips von etwa 30 Sekunden über Plattformen wie YouTube oder Instagram. Diese „Medienhappen“ informieren niedrigschwellig, zeigen Vorbilder und bleiben durch ihre Regelmäßigkeit präsent. Kurze, kontinuierliche Inhalte würden deutlich besser angenommen werden.

Auch darüber hinaus setzt der Verein auf Sichtbarkeit: Viele Mädchen und ihre Eltern hätten kaum Berührungspunkte mit höherklassigem Frauenbasketball oder möglichen Perspektiven im Sport. Um das zu ändern, werden bei Artio gezielt Infos über Spiele und Qualifikationen über die Vereins-App geteilt.

Marion Simon, Frauenbeauftragte des BBV, selbst auch als Trainerin aktiv im Schwabacher Mädchenbereich, wies auf einen weiteren Aspekt hin: Ihr Verein organisiere z. B. gemeinsame Besuche von höherklassigen Damenspielen. Ziel sei es - neben der Funktion eines Team-Events -, zu zeigen, wie es auf höherem Niveau zugehe, damit sich die Mädchen auch höhere Ziele und Vorbilder suchen könnten. Denn ohne sichtbare Vorbilder bleibe der Zugang häufig aus.

Julia Harms ergänzte, dass man auch zur Damen-WM nach Berlin fahren oder Public Viewings im Verein veranstalten könne. Auch für sie ist das „sichtbar werden“ von Profi-Sportlerinnen, Trainerinnen oder Schiedsrichterinnen auf hohem Niveau wichtig.

Weitere Herausforderungen wurden ebenfalls benannt. So betonte Steffi Wiesner vom Brandenburger Basketball-Verband, dass Frauen sich seltener aktiv für Trainer- oder Schiedsrichterrollen meldeten. Nötig seien gezielte Ansprache sowie flexiblere Angebote, insbesondere angesichts von Care-Arbeit und unpassenden Lehrgangszeiten.

Auch die Situation von Jugendlichen wurde thematisiert. Viele Jugendliche – so Julia Harms - übernähmen familiäre Verantwortung, etwa bei der Betreuung jüngerer Geschwister, was ihre Teilnahme am Sport erschwere. Hier könnten Betreuungsangebote oder flexible Vereinsstrukturen helfen.

Der Workshop machte deutlich: Die Förderung von Mädchen und Frauen im Basketball erfordert sowohl strukturelle Veränderungen als auch kreative Ansätze. Besonders wirksam sind niedrigschwellige Angebote, sichtbare Vorbilder und flexible Rahmenbedingungen. Viele Lösungen sind bereits vorhanden oder angestoßen – entscheidend ist jetzt, sie weiter konsequent umzusetzen.

Gottfried Oliwa 

 

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