Rückblick BBV-Online-Coach-Clinic "Erste Hilfe II" mit Lisa Reitel
Sportverletzungen im Basketball: Wissen, das im Ernstfall den Unterschied macht

- 18.05.2026
- Von: BBV Geschäftsstelle
Mit über 90 Anmeldungen und mehr als 50 Teilnehmenden zum Start zeigte bereits der zweite Teil der Fortbildungsreihe zum Thema Sportverletzungen und Erste Hilfe, wie groß das Interesse an praxisnahem medizinischem Know-how im Basketball ist. Nach kurzen technischen Vorbereitungen führte Referentin Lisa Reitel die Teilnehmenden durch einen hochinformativen Abend rund um Erstversorgung, Medical-Equipment und Rehabilitation typischer Basketballverletzungen.
Im Fokus standen dabei vor allem Verletzungen des Sprunggelenks und des Kniegelenks – zwei Körperregionen, die im Basketball besonders häufig betroffen sind.
Ausführlicher Bericht
Wo passieren Verletzungen im Basketball?
Bereits zu Beginn wurden die Teilnehmenden aktiv eingebunden: Mittels Live-Umfrage wurde abgefragt, welche Verletzungen bei männlichen und weiblichen Basketballspielenden am häufigsten auftreten. Die Ergebnisse deckten sich mit den wissenschaftlichen Daten: Rund ca. 65 % aller Verletzungen betreffen die untere Extremität. Besonders häufig ist dabei das Sprunggelenk (fast 40 % aller Verletzungen).
Verletzungen im Kopf- und Gesichtsbereich machen etwa 15 % aus, Knie- und Handverletzungen folgen mit deutlichem Abstand. Auffällig: Bei Frauen treten Verletzungen des vorderen Kreuzbandes deutlich häufiger auf.
Lisa Reitel erläuterte, dass viele Verletzungen vor allem in intensiven Spielsituationen entstehen – etwa beim Rebound, bei Landungen nach Würfen oder in engen Kontaktsituationen in Korbnähe.
Neben Sprunggelenks- und Knieverletzungen wurden weitere typische Verletzungsmuster im Basketball thematisiert: Schulterluxationen, Muskelverletzungen im Oberschenkel-, Adduktoren- oder Wadenbereich, Fingerverletzungen, Frakturen an Hand, Fuß oder Nase sowie Gehirnerschütterungen. Besonders bei Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Bewusstseinsveränderungen sei eine sofortige ärztliche Abklärung zwingend erforderlich.
Von PECH zu „PEACE & LOVE“
Ein zentraler Bestandteil des Vortrags war die Aktualisierung klassischer Erste-Hilfe-Maßnahmen. Die lange bekannte PECH-Regel wurde durch das wissenschaftlich fundierte Konzept „PEACE & LOVE“ ersetzt.
Im akuten Verletzungsmoment stehen dabei:
- Protection – Schutz vor weiterer Belastung
- Elevation – Hochlagern
- Avoid anti-inflammatories – zurückhaltender Umgang mit entzündungshemmenden Medikamenten
- Compression – gezielte Kompression
- Education – Aufklärung und Verständnis für den Heilungsprozess
In den Tagen danach folgen:
- Load – kontrollierte Belastungssteigerung
- Optimism – positive mentale Einstellung
- Vascularisation – Förderung der Durchblutung
- Exercise – gezielte therapeutische Übungen
Besonders betonte Lisa Reitel, dass Education ein entscheidender Baustein moderner Rehabilitation ist: AthletInnen sollen verstehen, warum bestimmte Maßnahmen durchgeführt werden.
Der Medical-Koffer: Pflichtausstattung am Spielfeldrand
Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war die optimale Ausstattung eines Medical-Koffers. Als Basis wurde ein Erste-Hilfe-Set nach DIN 13157 empfohlen, ergänzt durch:
- Einmalhandschuhe
- sterile und unsterile Kompressen
- Mull- und Kompressionsbinden
- verschiedene Pflaster
- Dreieckstuch und Rettungsdecke
- Wundnahtstreifen
- Wunddesinfektion
- Traubenzucker
- Zahnrettungsbox
Besonders praktisch für den Spielbetrieb seien wiederverwendbare Eis- oder Elyt-Beutel in Kombination mit einer elastischen Kompressionsbinde. Gefrorene Kühlpacks sollten hingegen niemals direkt auf die Haut gelegt werden.
Ebenso wichtig: Der Medical-Koffer sollte für alle Verantwortlichen leicht erreichbar sein, Verbrauchsmaterialien unmittelbar nachgemeldet und Ablaufdaten regelmäßig kontrolliert werden.
Sprunggelenksverletzungen: Schnelles Handeln entscheidet
Ein besonders praxisnaher Teil des Vortrags widmete sich der Versorgung von Sprunggelenksdistorsionen – der häufigsten Basketballverletzung. Typische Symptome sind:
- Hämatome
- Schwellung
- Schmerzen
- eingeschränkte Beweglichkeit
Lisa Reitel demonstrierte konkrete Sofortmaßnahmen am Spielfeldrand: ein gekühlter Schaumgummiprotektor mit Aussparung für den Außenknöchel, kombiniert mit einer vorsichtigen elastischen Kompression. Die erste Kompression sollte etwa zehn Minuten erfolgen – dabei müssen Durchblutung und Sensibilität regelmäßig kontrolliert werden.
Wichtig: Bei Verdacht auf eine Fraktur darf nicht zirkulär getapet werden. In solchen Fällen ist zunächst eine radiologische Abklärung notwendig.
Für die Rehabilitation stellte die Referentin moderne Ansätze vor: Mobilitätstraining, Einbeinstand, Training der Fußmuskulatur und hochperzeptive Stabilisationsübungen sollen das Risiko erneuter Umknickverletzungen deutlich reduzieren.
Tape, Schienen und praktische Versorgung
Ein weiterer Programmpunkt war die Vorstellung verschiedener Tape-Systeme. Unterschiede zwischen klassischem Leukotape, Pre-Tape, elastischen Sport-Tapes und Kinesio-Tape wurden praxisnah erklärt.
Anschließend demonstrierte Lisa Reitel eine funktionelle Tapeanlage mit:
- Pre-Tape-Ankern
- Korrekturzügeln
- U-Zügeln
- stabilisierender Abschlussverschalung
Zusätzlich wurde die formbare SAM Splint als schnelle Möglichkeit zur temporären Ruhigstellung vorgestellt.
Kreuzbandverletzungen: Warum Frauen häufiger betroffen sind
Zum Abschluss widmete sich die Referentin dem Thema vordere Kreuzbandverletzungen.
Der typische Mechanismus: Eine Landung oder ein Richtungswechsel, bei dem das Knie nach innen kollabiert und unter Valgus- sowie Rotationsbelastung das vordere Kreuzband reißt.
Risikofaktoren:
- Frauen haben ein vier- bis achtfach erhöhtes Risiko
- besonders betroffen sind Sportlerinnen und Sportler zwischen 15 und 25 Jahren
- Stop-and-Go-Sportarten wie Basketball, Fußball oder Handball erhöhen das Risiko zusätzlich
- muskuläre Dysbalancen, fehlende Rumpfstabilität und Ermüdung gelten als beeinflussbare Faktoren
Die Diagnostik erfolgt über klinische Tests und bildgebende Verfahren. Im leistungsorientierten Basketball wird häufig eine operative Versorgung gewählt – abhängig von Alter, Aktivitätsniveau und individuellen sportlichen Zielen.
Die gesamte Online-Coach-Clinic mit Lisa Reitel könnt ihr euch hier anschauen.



















