Der Macher

Wolfgang Heyder, BBV-Vizepräsident und Legende als Bamberger Gerschäftsführer, wird 70

Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Manager, Berater, Geschäftsführer, BBV-Vize-Präsident, Gesellschafter, zudem ein Visionär, der andere mitreißt – und dies alles in einer Person namens Wolfgang Heyder, der am 26. Oktober 70 Jahre alt wird.

Der Tausendsassa, der sich Anfang des Monats nach 40 Jahren aus der Geschäftsführung seines Haupterwerbs „Veranstaltungsservice Bamberg“ zurückzog, übt viele ehrenamtliche und politische Funktionen weiter mit viel Engagement aus, unter anderem im Bamberger Wirtschaftsclub, beim Projekt „Goolkids“, dem Bamberger Literaturfestival„BamLit“, als Gemeinde- und Kreisrat.

Heyder kann zweifelsohne als einer der „Gründungsväter“ und Baumeister von „Freak City“ gelten (die Namens-Idee selbst stammt übrigens von Steffen Hamann). Aber auch auf Verbandsebene ist das Geburtstagskind eine Institution.

Seit dreieinhalb Jahrzehnten steht er in Diensten des BBV – angefangen hat alles als Honorartrainer der Bayernauswahl. Der aktuelle Vize-Präsident und Ressortleiter II, Jugend/Leistungssport, war früher auch schon Ressortleiter Lehrwesen und brachte sich auch im Mini- und Breitensport ein.

Wenn er auf sein BBV-Wirken zurückblickt, kann er stolz auf das Talent-Fördersystem sein, allen voran die Eliteschulen in München, Nürnberg, Bamberg und Würzburg und den Bundesstützpunkt mit BBV/DBB/Verein in Würzburg. Kernthemen waren und sind auch die Mischfinanzierungs-Konzepte (mit den Leuchtturmprojekten in der Oberpfalz und Nürnberg), die Trainerausbildung und 3x3.

Sollte er sein Vorhaben wahr machen, beim Verbandstag 2027 zurückzutreten, ist dies sicherlich ein Verlust, der nicht so einfach zu kompensieren ist. Dass der BBV sein 75-jähriges Jubiläum im Heyder`schen Kultur-„Wohnzimmer“, dem Kulturboden Hallstadt, feierte, hat auch eine gewisse Aussagekraft hinsichtlich seiner „Macher“-Qualitäten.

Dass spätestens nach dem ersten Titel 2005 eine ganze Stadt mit dem Basketball-Virus infiziert wurde und sich Bamberg zur „Hauptstadt“ des Basketballs entwickeln konnte, die Arena über ein Jahrzehnt immer ausverkauft war und es sogar Wartelisten gab, dafür schuf der „Macher“ das Fundament mit der Verpflichtung von Dirk Bauermann als Coach. „Dirk war frei am Markt“, erzählt Heyder, „ich kannte ihn als Trainer, wir waren bei der Ausbildung zusammen.“

Er verweist aber auch darauf, dass ohne den erfolgreichen Kampf für die neue Halle („Herbert Lauer sei Dank“) diese Entwicklung nicht möglich gewesen wäre. Die Vision Halle erfüllte sich und Heyder (1999 bis 2014 Geschäftsführer) spielte das große Engagement von Sabine Günther („sie hat mit dem Lizenz-Kauf und der Hallenübernahme den Bamberger Basketball gerettet“) in die Karten.

Diese Impulse und die große Heyder-Schaffenskraft sorgten für sechs Meistertitel („nach zweimal Vize war 2005 der Wille am größten“) und vier Pokalsiege in seiner Amtszeit. „Es war eine schöne Zeit! Das war kein Zufall, uns ist nichts in die Hände gefallen, sondern harte Arbeit und großer Einsatz der gesamten Organisation. 2007 hatten wir 600 Sponsoren, mit den wir 100 Treffen durchführten. Das Team machte -zig PR-Termine“, beschreibt er diese Zeit.

Der Jubilar hat aber auch noch im Hinterkopf einen intensiven Shitstorm bezüglich der Bamberger Euroleague-Auftritte in Nürnberg, die sich letztlich zuschauertechnisch und marketingmäßig dann aber als Glücksfall entwickelten. Diese organisatorische Meisterleistung („grandios, alles musste hingefahren werden“) verlieh Heyder und der Organisation eine Community und Identität der Extraklasse („eine Wahnsinnszeit“).

Dass der gebürtige Schweinfurter bei der Frage nach seinen Lieblingsspielern Bedenkzeit braucht, ist angesichts der damaligen Top-Verpflichtungen verständlich. Seine Hitliste: Anton Gavel („guter Charakter, perfekte Einstellung“), Predrag Suput („totales Herz“), Casey Jacobsen („in einer Nacht- und Nebelaktion verpflichtet“) und PJ Tucker.

„Das Ende 2014 hat auch Narben hinterlassen und hat wehgetan“, bilanziert er sein Ausscheiden bei den Bambergern, „und es war auch nicht gerechtfertigt, wie alle Trainer rausgeschmissen wurden. Wir waren bei meinem Aus in jedem Bereich die Besten, meiste Zuschauer, größter Businessbereich, meiste Sponsoren, bestes Jugendprogramm und dazu sportlicher Erfolg“. Jahre später koordinierte Heyder dann noch einmal ein paar Jahre das Bamberger Nachwuchsprogramm.

Zwei Bundesliga-Aufstiege konnte er in der Post-Bamberg-Zeit in der Fremde genießen: Zusammen mit dem Umzug von Gotha nach Erfurt schaffte er mit den Oettinger Rockets den Sprung ins BBL-Oberhaus. In Thüringen erlebte Heyder vier intensive Jahre.

Zuvor war er zwei Spielzeiten beim HSC 2000 Coburg als Berater tätig, verdoppelte deren Budget und konnte auch dort Erstliga-Zeit mit-initiieren. 

Als Spieler war Heyder bis in die Landes- und Regionalliga auf Korbjagd gegangen. Sein Augenmerk legte er auf das Trainer-Dasein, begann mit 17 Jahren, hatte früh Erfolge (deutscher Vizemeister mit 1860), stand als BG-Headcoach zu deren Zweitliga-Zeiten an der Seitenlinie, ehe seine unvergesslichen Jahre in Baunach (zweimal knapp vor dem BBL-Aufstieg) und Breitengüßbach begannen. Weniger Spaß bereitete ihm (mit B-Lizenz) seine Schiedsrichter-Zeit in der Landesliga („wurde auf dem Land oft beschimpft“).

Sein Basketball-Feuer brennt aktuell bereits die dritte Saison für die Würzburg Baskets. In doppelter Hinsicht: Als Gesellschafter und für die Nachwuchs-Akademie.

Bei all seinen Verpflichtungen mag man es kaum für möglich halten, dass er auch seine Hobbies genießen kann. Bei den heißen Temperaturen in der Sauna ist er die Ruhe selbst. Wenn er allerdings Schafkopf-Karten in der Hand hält, schaut die Welt schon manchmal anders aus.

Auch wenn sein Wunsch zum 70. Nach einer neuen Halle Richtung Würzburg geht, wird Visionär Wolfgang Heyder immer ein Gesicht des Bamberger Basketballs und des BBV bleiben.

Bertram Wagner

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