„Alle Rekorde gebrochen“

DBB-Finanzchef Werner Lechner über die Zahlen hinter der WM

Foto: Bertram Wagner

Werner Lechner, nach dem Ausscheiden des Bambergers Armin Andres aktuell der einzig bayerische Vertreter im DBB-Präsidium, steht als Finanz-Chef zwar nicht im öffentlichen Fokus, umso mehr aber ist hinter den Kulissen seine Arbeit gefragt. 

Für den Burghausenern, der 2014 vom BBV als Ehrenmitglied verschiedet wurde und beim DBB den Finanz-Posten übernahm, ist die Damen-WM in Berlin seine bislang höchste Herausforderung in DBB-Diensten. 

So kurz vor dem WM-Start Jubel, Trubel, Heiterkeit, wenn der Rekordwert vermeldet wird, dass über 200.000 Tickets verkauft wurden? Schwimmt der DBB nun im Geld?

Lechner: 

Es ist in der Tat so, dass wir in der Geschichte des Damen-Worldcups schon jetzt alle bisherigen Rekorde gebrochen haben, was die Zuschauerzahlen angeht, und es gab auch noch keine WM der Frauen und der Männer, bei der über 30 Prozent der Ticketkäufer aus dem Ausland kamen.

Wenn jemand zu mir vor einem Jahr gesagt hätte, dass wir diese Zuschauerzahlen vor dem ersten Spiel erreichen, dann hätte ich ihn wahrscheinlich für verrückt erklärt.

 

Wie wirken sich derart erfreuliche Zahlen auf den WM-Etat aus? In welchen Regionen bewegt sich der Gesamtetat dieser Großveranstaltung und wie hoch ist der Ticket-Anteil daran?

Diese erfreulichen Ticket-Einnahmen entspannen zwar die Einnahmeseite des WM-Etats, dennoch hat diese Veranstaltung ein Finanzvolumen erreicht, das bei weitem die vorangegangene EuroBasket 2022 der Männer in Köln und Berlin übersteigt. Wir haben in praktisch allen Gewerken deutliche Kostensteigerungen und mussten den Finanzplan in Abstimmung mit den Zuwendungsgebern mehrfach anpassen. 

Final sieht der Finanzplan ein Gesamtvolumen rund 12 Millionen Euro vor, wovon rund ein Drittel durch die Ticketerlöse gedeckt wird. 

Und die weiteren wichtigen Posten? Wer förderte finanziell diese WM neben der Stadt Berlin, die sechs Millionen Euro beisteuerte?

Zunächst muss man wissen, dass es sich bei den Zuwendungen um reine Fehlbetragsfinanzierungen handelt, wir also nicht mit einem fixen Einnahmen-Betrag rechnen können, sondern die Mittel des Senats sich danach berechnen, wie hoch das Defizit zwischen den Gesamtausgaben und den sonstigen Einnahmen ausfällt. Dieser Betrag ist dann nochmal auf sechs Millionen Euro gedeckelt. Neben Berlin fördert auch der Bund die Veranstaltung entsprechend anteilig, wobei eine Reform der Förderpraxis auf Bundesebene für sogenannte Sportgroßveranstaltungen dringend nötig ist.

Wesentlicher Einnahmeposten neben den Ticktes sind die Beiträge unserer Partner und Sponsoren, die sich aus bewährten langjährigen Kooperationen, aber auch neuen, veranstaltungsbezogenen Partnerschaften zusammensetzen.

Im Frühjahr 2023 wurde in Manila die WM nach Berlin vergeben. Hat sich seitdem Dein (DBB)-Leben verändert?

Zunächst bin ich privat seit einem guten Jahr in der Freistellungsphase meiner Altersteilzeit, wodurch ich mehr Zeit für den DBB aufwenden kann; zum anderen bin jetzt nach vier Europameisterschaften in Deutschland, 2015, 2018, 2022 und 2025, auch bei der diesjährigen WM wieder im LOC vertreten, was mehr Termine und Aufgaben mit sich bringt, aber natürlich auch sehr viel Spaß macht.

Ist eine heimische WM doch eine weitaus größere Nummer als die beiden Europameisterschaften 2022 der Herren in Köln und Berlin und 2025 der Damen in Hamburg?

Ja, das ist nicht vergleichbar, nicht nur, weil sich aufgrund der allgemeinen Kostenentwicklung das Finanzvolumen insgesamt vergrößert hat, sondern auch, weil die Anforderungen an den Gastgeber – und damit an den DBB - deutlich gestiegen sind. 

Zum zweiten mussten wir feststellen, dass die Zusammenarbeit mit FIBA World wesentlich komplexer und manchmal auch komplizierter ist als mit FIBA Europe, mit der wir ja schon mehrfach erfolgreich Großveranstaltungen in Deutschland durchgeführt haben. Vieles von dem, was wir bei der EuroBasket 2022 in Berlin umgesetzt hatten, musste jetzt neu konzipiert und anders geplant und realisiert werden.

Was waren die größten Herausforderungen im Vorfeld der WM?

Ein großes Thema ist immer die Unterbringung der Teams. Auch in Städten wie Berlin genügt nicht jedes Hotel den Anforderungen, was zum einem die Kapazitäten und die terminliche Verfügbarkeit, aber auch die Lage zu den Spielhallen, die Verpflegung und die benötigten Zusatzräume angeht. Und nicht zuletzt ist es auch eine Preisfrage, gerade wenn dann gleichzeitig „Preistreiber“ wie aktuell die IFA stattfinden.

Und natürlich gilt es auch, die Vorstellungen und Anforderungen der FIBA und des Berliner Senats als wichtigstem Geldgeber bei allem zu berücksichtigen und möglichst gut aufeinander abzustimmen, gerade wenn die Stadt sich mit der WM auch als Olympiakandidat präsentieren möchte.

Die finanzielle Messe ist gelesen. Kannst Du ganz relaxed die WM genießen?

Gelesen ist die Messe sicher erst, wenn wir mit dem deutschen Team möglichst weit gekommen sind und noch viele zusätzliche Tickets für die möglichen weiteren Spiele des DBB-Teams verkaufen können. Dennoch genieße ich die WM-Tage und die gute Atmosphäre in der Stadt und den Arenen sehr und freue mich auf viele spannende Spiele und interessante Begegnungen on und off the Court.

Wie schaut der sportliche WM-Traum des Finanz-Chefs aus?

Viele attraktive Spiel mit begeisterten Zuschauern und Gästen aus aller Welt, möglichst verletzungsfrei für alle Athletinnen und natürlich einem sehr guten Abschneiden der deutschen Mannschaft, wobei ein Medaillenplatz angesichts des starken Teilnehmerfeldes aus meiner Einschätzung schon eine kleine Überraschung wäre. 

Bertram Wagner

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