Weltmeister nach der Karriere
Interview mit Steffen Hamann nach dem Ü40-Titel bei der „Open-WM“
- 29.07.2026
- Von: BBV Geschäftsstelle
Steffen Hamann hat – sieht man einmal von Gastspielen in Bologna und Berlin ab – seine Basketballkarriere großenteils im bayerischen Lande (Breitengüßbach, Bamberg, München, Baunach) verbracht und dabei auch die größten Erfolge/Titel errungen. Der 45jährige gehört zu einer zahlenmäßig sehr geringen Spezies von ehemaligen Profis mit einem beeindruckenden Zahlenwerk von BBL-Einsätzen (481) und Länderspielen (131), die auch nach dem Karriereende noch wettkampfmäßig auf Korbjagd gehen.
Und dies zudem sehr erfolgreich: Nach dem FIMBA-Vize-WM-Titel im Vorjahr gewann er heuer mit der deutschen Ü40-Auswahl bei der zum ersten Mal ausgetragenen FIBA-Masters-Open-WM in Korinth mit zwei Krimis im Halbfinale (63:59 gegen Georgien) und Finale (69:66 gegen Italia Golden Players) den Titel. Wochen zuvor siegte er auch mit dem Team des FC Bayern München bei der „Deutschen“ in Vechta.
Steffen, herzliche Gratulation zum Titel. Wie hast Du die Korinth-Woche rein sportlich erlebt? Ein Selbstläufer war es wahrlich nicht. Was hat letztlich den Ausschlag für den Turniersieg gegeben?
Hamann: Das war wirklich ein hartes Stück Arbeit, die wir in diese Mission gesteckt haben. Mit dem Sieg im Halbfinale gegen Georgien mit einem gestandenen und immer noch fitten NBA-Spieler (Nikolas Tchikasvili) gab es für uns nur ein Ziel und das hieß Gold. Wir mussten aber lange zittern im Finale, doch Omari Knox hat in den letzten 60 Sekunden sein ganzes Können aufs Parket gezaubert – Steal, Dreier und weil es so schön war, direkt noch einen Dreier zum Sieg. Wahnsinn!
Wieviel Bayern steckt im deutschen World-Games-Siegerteam?
Sehr viel, der große Kern besteht aus Münchner Jungs, mit denen wir ja mittlerweile dreimal in Folge die Deutsche Meisterschaft gewinnen konnten im Ü40-Bereich. Aber die Verstärkungen aus Vechta, Paderborn, Herzogenaurach und Crailsheim sind natürlich eine enorme Hilfe.
FIMBA und FIBA sind zwei Veranstalter von internationalen Turnieren. Du hast im Vorjahr FIMBA in der Schweiz erlebt und nun FIBA in Griechenland. Gibt es viele Parallelen oder doch gravierende Unterschiede?
Die große Parallele ist natürlich die tolle Basketball-Community. Darum geht es auch. Sich mit anderen Nationen zu messen und sich kennenzulernen, sich auszutauschen, ist toll. Aber mit dem Weltverband FIBA ist seit diesem Jahr ein großer Player dazu gekommen, der in den kommenden Jahren wachsen und mehr und mehr Teams anziehen wird.
Wie lässt es sich erklären, dass letztlich doch wenige von Deiner Klasse sich noch im Senioren-Bereich messen wollen?
Hm, da bin ich dran, das herauszufinden… Aber auch bei mir hat es ein Stück weit Abstand gebraucht zur Halle, aber den ein oder anderen muss man einfach mal in die Halle bekommen und dann kommt das Feuer wieder. Jetzt, wo wir Weltmeister sind, kommt da bestimmt der ein oder andre dazu, der in Zukunft dabei sein mag.
Spürst du auf dem Parkett bei einer Meisterschaft, dass der ein oder andere als Gegenspieler besonders motiviert ist und es dir „zeigen“ will? Oder alles ganz entspannt?
Im Endeffekt geht es schon auch darum, Spiele zu gewinnen, aber nicht um jeden Preis. Es macht einfach riesige Freude, alte Weggefährten zu treffen und sich mal wieder paar Sprüche auf dem Feld hin und her zu werfen.
Auf der Bayern-Homepage wirst du als Ambassador betitelt. Was sind da deine Aufgaben?
Ich versuche, die Erfahrungen, die ich über viele Jahre gesammelt habe – und natürlich war ich beim Aufbau der Bayern-Basketballer seit der ersten Stunde mit an Bord –, gezielt weiterzugeben und damit dazu beizutragen, dass das „Produkt Basketball“ weiter wächst. Ein großer Teil meiner Arbeit ist repräsentativ rund um den Ball, gleichzeitig engagiere ich mich aber auch in konkreten Projekten: etwa der „Night of the Legends“ im Rahmen des Basketball-Top4 oder bei Camps wie dem Maxi-Kleber-BasKids Camp in München, das ich gemeinsam mit dem FCBB unterstütze.
Was traust du dem „neuen“ FC Bayern 2026/27 zu? Schafft Anton Gavel, der wie Du in Bamberg und München Basketball-Geschichte geschrieben hat, den erhofften Umschwung zu glorreichen (Titel)-Zeiten beim FC Bayern?
Spannender Sommer, den wir hier in München erleben dürfen mit einem neuen Coach, der ja schon FCBB-Vergangenheit hat, und einem neuen Sportdirektor. Schon jetzt kann man den neuen Schwung von Thorsten hier in der Organisation spüren. Wir alle im Back-Office freuen uns auf eine gute und hoffentlich sehr erfolgreiche Saison.
Bertram Wagner























