„Zur schönsten Zeit aufhören“
DBB-Ehrenmitglied Armin Andres über die einzigartigen Erfolge seiner Amtszeit
- 20.07.2026
- Von: BBV Geschäftsstelle
Armin Andres hat als Spieler, Trainer und als Funktionär große Kapitel in der deutschen Basketball-Geschichte geschrieben. Dem Bamberger gebührt nach zwölf Jahren im DBB-Präsidium das Attribut „erfolgreichster DBB-Vize-Präsident Leistungssport aller Zeiten“: EM-Bronze 2022, WM-Gold 2023, Olympia-Endrunde 2024 und EM-Gold 2025 fallen in seine außergewöhnliche Amtszeit.
Auch als Aktiver stand er bei WM, EM und Olympia auf internationalem Parkett und absolvierte von 1979 bis 1992 (Highlight Olympia in Barcelona) 146 Länderspiele. Dazu war er ein erfolgreicher Distanzschütze und Spielgestalter in der BBL (1981-1995) mit den Stationen Hagen, Gießen, Berlin und in seiner Heimatstadt Bamberg (1984-1991 1.FC/TTL). Bis 2005 stand er auch in der Bundesliga (in Bamberg als TSK-Trainer 1999-2001) und als Co-Trainer DBB an der Seitenlinie.
Nach alles andere als glorreichen Zeiten in der ersten Hälfte seiner DBB-Amtszeit (ab 2014) trugen die letzten vier Highlight-Jahre seine Handschrift. Andres, der nun von Mithat Demirel abgelöst wurde, war im wahrsten Sinne des Wortes nah am Team, sein Stammplatz war neben den Spielern direkt hinter der Bande. Beim letzten Länderspiel in Bamberg blieb sein Platz leer. Somit ist aktuell Werner Lechner das einzige DBB-Präsidiums-Mitglied aus dem BBV-Land.
Im Interview blickt er nochmals auf die „schönste Zeit“ zurück, nimmt kurz Stellung zu seinem Abschied und nennt die Faktoren, die den Basketballsport derart immens gepusht haben.
Als der amtierende Europa- und Weltmeister am 6. Juli seine Visitenkarte in der Brose-Arena abgab, waren sicher viele Basketball-Fans verwundert, dass am Ende der deutschen Bank nicht mehr ein im blauen Anzug gekleideter DBB-Vize-Präsident mitfiebert und motiviert. Was hat Dich bewogen, beim diesjährigen Bundestag nach 12 ereignisreichen, ja historischen Jahren nicht mehr zu kandidieren?
Andres: Nach 12 Jahren Ehrenamt und einer sehr aufregenden Zeit dachte ich mir, was kann noch kommen. In meiner Amtszeit haben wir alles erreicht und alle Titel gewonnen, was machbar war. Man soll zur schönsten Zeit aufhören, so habe ich das immer gehalten. Als Spieler, Trainer und Funktionär.
Wie emotional verlief das Abschieds-Wochenende und was bedeutet Dir die Ernennung zum DBB-Ehrenmitglied?
Es war schon sehr schwierig und ich habe mir das eigentlich einfacher vorgestellt. Ich wollte es so machen: ich kam leise und gehe leise. Mein guter Freund und Präsidiumskollege Werner Lechner hatte eine unglaubliche Laudatio gehalten, die mich mehr als berührt hat. Man kriegt erst wieder mit, was in meiner langen Karriere alles so passiert ist.
Da kann ich schon sehr stolz sein, wie das gelaufen ist und welchen Stellenwert ich doch im deutschen Basketball habe. Jetzt als Ehrenmitglied, das ist für mich nochmal eine riesige Auszeichnung und darauf bin ich sehr stolz. Jetzt werde ich mir die Spiele in Ruhe und Gelassenheit ansehen.
DBB-Präsident Ingo Weiss betonte vor zwei Jahren im Hallstadter Kulturboden: „Ohne Armin Andres wären wir nicht Weltmeister geworden!“ Auch wenn solche Lobeshymnen vom Betroffenen selbst nicht so leicht zu interpretieren sind, was meinte er wohl damit? Deinen intensiven Kontakt zu den NBA-Spielern?
Natürlich habe ich zu allen Spielern – nicht nur NBA – sehr guten Kontakt gehalten. Ausschlaggebend, glaube ich, war ein sehr wichtiger Punkt, dass die Spieler jetzt sehr gerne zur Nationalmannschaft kommen, dies war zu Beginn meiner Amtszeit nicht der Fall. Außerdem wollte ich natürlich in jedem Bereich des Leistungssports einbezogen sein und vor Ort alles miterleben, um dann an den richtigen Stellen gemeinsame Veränderungen vornehmen.
Im Leistungssport ist es sehr wichtig, Kontinuität zu haben und ein Konzept, das langfristig angelegt ist. Wir haben es geschafft, eine Struktur aufzubauen, die uns in allen Bereichen, Herren, Damen, 3x3 und Nachwuchs in die Weltspitze katapultiert hat. Darauf bin ich natürlich sehr stolz, dies mit meinem Team geschafft zu haben.
Heimische EM-Bronze, Weltmeister, Olympia und im Vorjahr Europameister: Mehr geht nicht, alle Veranstaltungen haben ihre Geschichte. Nichtsdestotrotz: Gibt es dennoch das ganz besondere Turnier?
Eigentlich nicht, jedes Turnier oder die Olympiaden waren für sich ganz was Besonderes. Aber die WM, der Titel aus dem Nichts, hat uns in der Welt vom Mitläufer zum absoluten Mitfavoriten gemacht. Wir sind mit allen Mannschaften in der Weltspitze angekommen. Das ist eigentlich unglaublich. Der EM-Titel hat das auch nochmal bestätigt, denn viele dachten, das war etwas Glück, der Sieg bei der WM. Ich glaube, dass wir uns jetzt über die nächsten Jahre in der Weltspitze einen Platz erkämpft haben und dort auch bleiben.
Welches einzelne Spiel war für Dich das Nonplusultra?
Eigentlich zwei; das erste, als wir bei der WM die Amerikaner geschlagen haben, war schon ein ganz besonderer Moment und das andere war bei der EM das Endspiel gegen die Türkei, die eigentlich alles dominiert hatten. Doch unsere Mannschaft hat eine unglaubliche Moral bewiesen, was das Siegen betrifft.
Es gab in Deiner Amtszeit aber auch ernüchternde Phasen bis zum ersten Highlight EM 2022 im eigenen Lande. Was waren die entscheidenden Stellschrauben zur glorreichen Wende?
Ja, die erste Zeit war sehr ernüchternd. Es gab organisatorisch viele Probleme und der Leistungssport musste generell neu strukturiert werden. 2019 war so eine wichtige Wende, als wir den 18. Platz belegten mit der damaligen besten Mannschaft (sieben NBA-Spieler), die aber auf dem Platz nicht harmonierte.
Dort haben wir uns entschieden, auch mal Spieler weg zu lassen, die nicht mit Überzeugung dabei sind oder die sich überbewerteten. Auch war es wichtig, eine gute Mischung aus Jung und Alt auf die Beine zu stellen, die die nächsten Jahre das Gerüst waren. Commitment war das große Wort.
Du hast sechs Bundestrainer und fünf Sportdirektoren „überlebt“. Welcher der Headcoaches hat Dich am meisten beeindruckt?
Das war natürlich Gordie. Er hat es geschafft, aus den Spielern eine Einheit zu machen, den Spielern ein Commitment für drei Jahre abzuringen und die richtige Spielweise zu installieren. Außerdem hat er Dennis zum Mannschaftsführer ernannt, was sehr wichtig war.
Dein gesamtes bisheriges Leben war von Deinen frühen Anfängen in Rosenheim bis hin zum Vize-Präsidenten vom Basketballsport bestimmt. Wie schaut Deine Rückkehr ins „normale“, basketballlose Leben aus?
Basketballlos wird es ja doch nicht werden. Ich werde mir jetzt ganz in Ruhe alles anschauen, kann meinen Senf dazugeben, ohne Verantwortung zu haben. Das ist doch auch mal schön. Vor allem kann ich meine Zeit jetzt so planen, wie ich und meine Frau das wollen. Vorher musste alles darum geplant werden, welche Sitzung oder Meisterschaft gerade ansteht.
Bertram Wagner






















