„Froh, dass ich das erleben durfte“
Delegationsleiter Imre Szittya über das deutsche Team und „seine“ bayerischen Mädchen

Foto: Bertram Wagner
- 11.09.2026
- Von: BBV Geschäftsstelle
Sieg über Belgien, Einzug ins WM-Halbfinale: Mittendrin bei diesem historischen Moment der Nördlinger Imre Szittya, der im Stehen nur ein paar Meter entfernt von der deutschen Bank den 93:74-Sensationssieg gegen den amtierenden Europameister Belgien verfolgte und genießen konnte. BayernBasket-Chefreporter Bertram Wagner sprach den langjährigen BBV-Landestrainer und jetzigen Koordinator seiner Nachfolger unmittelbar nach dem Spiel.
Imre, Du wirst als Delegationsleiter bei der deutschen Mannschaft geführt. Was heißt das in der Praxis? Was sind Deine Hauptaufgaben?
Szittya:
Ich wurde 2025 vor der Damen-EM vom damaligen DBB-Vizepräsident Leistungssport Armin Andres gefragt, weil ich nahezu alle Spielerinnen aus der Jugendnationalmannschaft kenne, ob ich Delegationsleiter der Damen machen könnte. Ich habe dabei eher eine repräsentative Funktion. Manchmal bin ich ein Kommunikationskanal zwischen Staff und DBB oder zwischen den Spielerinnen und dem DBB. Hin und wieder helfe ich auch kurz im Training in verschiedenen Funktionen aus.
Konkretes Beispiel: Qualifikationsspiel gegen Südkorea um 20.45 Uhr. Wie schaut so ein Tagesablauf aus?
Bis 10 Uhr Frühstück, 11:30 Uhr Abfahrt zum Training, 12 bis 12:50 Uhr Training, 13:30 Uhr Teammeeting, Video, 14 Uhr Mittagessen, 17:40 Uhr Snack, 18 Uhr Teammeeting, Video, 18:30 Uhr Abfahrt zum Spiel, 20:45 Uhr Spiel, 23:15 Uhr Abendessen.
Von 2006 bis 2010 standst Du selbst als Headcoach ganz vorne. Kann man dies mit Delegationsleiter irgendwie vergleichen?
Nein, das ist nicht vergleichbar. Damals war der Delegationsleiter nur bei den offiziellen Spielen dabei und hatte sehr wenig mit der Mannschaft zu tun.
Du warst von Beginn an bei der Vorbereitung dabei. Was waren die größten Herausforderungen?
Manchmal gab es kurzfristige Änderungen, Anpassungen, die schnell erledigt werden mussten, oder überraschende Wünsche der Gastmannschaften, die gelöst werden mussten. Der DBB hat die Maßnahmen aber sehr gut geplant und insgesamt lief alles weitgehend reibungslos.
Zweifelsohne gebührt Dir ein sehr großer Anteil, dass es mit Leonie Fiebich, Luisa Geiselsöder und Emily Bessoir drei bayerische Spielerinnen in den WM-Kader geschafft haben. Wie haben sie aus Deiner Sicht bislang performt?
Leonie Fiebich ist mit ihrer WNBL-Erfahrung und ihrer Übersicht die absolute Schlüsselspielerin der Mannschaft und eine echte Leaderin. Sie ist der Kopf der Mannschaft und die wichtigste Spielerin, sie besticht durch ihre Vielseitigkeit und Verteidigung. Gegen Belgien hat man auch ganz deutlich ihre Spielübersicht gesehen, sie hat dafür gesorgt, dass wir ruhig ins Spiel gekommen sind. Ihre Punkte im ersten Viertel waren sehr wichtig für die Mannschaft. Was sie für das Team geleistet hat, das war einfach klasse.
Luisa Geiselsöder musste erst ihren Rhythmus finden, aber in den Spielen gegen Japan und Mali hat sie die Bretter dominiert und auch ihre Distanzwürfe sind besser geworden. Gegen Belgien hat sie mit den frühen Fouls etwas unglücklich agiert und hat sich dadurch etwas aus dem Spiel genommen. Sie hat aber später wichtige Akzente gesetzt, kam gut in der zweiten Hälfte zurück, hat stark verteidigt und wichtige Rebounds geholt. Auch in der Offensive hat sie ihre Sachen gemacht.
Emily Bessoir hat in den ersten beiden Spielen wenig Spielzeit bekommen, konnte aber gegen Mali und Korea beweisen, dass man auf sie zählen kann. Gegen so aggressive Belgierinnen war sie nicht in der Rotation.
Unabhängig von Zahlen und Ergebnissen: Wie empfindest Du die WM als Ganzes?
Ein von DBB und FIBA sehr gut organisiertes Turnier. Es ist für mich auch sehr beeindruckend, die Weltspitze der Damen live zu sehen, alles hautnah mitzuerleben. Ein absolutes Highlight!
Du bist noch richtig geflasht vom Belgien-Sieg. Wie stufst Du diesen historischen Sieg ein?
Das war das bisherige Highlight für mich in Berlin. Ich bin sehr froh, dass ich das erleben durfte, dass wir in Deutschland ein WM-Viertelfinale gegen den Europameister gewinnen. Und dies mit einer überzeugenden Teamleistung, sowohl in der Offensive als auch in der Defensive, ein sehr ausgeglichenes Team, sechs Spielerinnen punkten zweistellig. In meinem langen Basketball-Leben als Trainer und Funktionär gehört dies sicherlich zu den Top Five.
Bertram Wagner

















