Kein Gedanke ans Aufhören
Aufstiegsheld, EM-Trainer, „Datzerer“ bis heute: Rudi Lorber feierte 80.

Rudi Lorber beim Eintrag in das Goldene Sportbuch der Stadt Bamberg 2022. Foto: Bertram Wagner
- 03.06.2026
- Von: BBV Geschäftsstelle
Rudi Lorber konnte vor kurzem seinen 80. Geburtstag feiern und dabei auf sechseinhalb Jahrzehnte Basketball-Historie zurückblicken, die angesichts des Facetten-Reichtums selbst in einer Basketball-Hochburg wie Bamberg unübertroffen sind.
Der Jubilar gehörte nicht nur zu den „Aufstiegs-Helden“ im April 1970, die den 1. FC Bamberg in die Bundesliga hievten, sondern schaffte (nach einer Zwischenstation beim TV 1860 Bamberg) als Trainer mit den „Violetten“ nach einer dreijährigen Durststrecke in der Zweiten Liga 1982 den Wiederaufstieg ins Oberhaus, trainierte den Bundesligisten Post SV Bayreuth und war unter Terry Schofield Co-Trainer in den Neunziger Jahren beim TTL Bamberg. Dazu kommen einige Stationen des A-Schein-Inhabers in der hiesigen Region, vor allem im Nachwuchsbereich mit großem Erfolg, darunter deutsche Vize-Titel.
Eine weitere bemerkenswerteste Leistung hat noch Gegenwartsbezug: Rudi Lorber, drahtig wie eh und je, organisiert per digitaler Abfrage zum einen sein geliebtes „Dienstagsbassi“, zum anderen bewegt er sich Woche für Woche mit großer Leidenschaft und dribbelstark im Beisein seiner TTL-Oldies auf dem Parkett in der Kunigundenschule. Ans Aufhören nicht zu denken!
Seine ersten Ballkontakte hatte er Anfang der 1960er Jahre auf einem unbefestigten CVJM-Platz an der Egelseestraße. Ein Gruppenleiter machte ihm den Basketballsport schmackhaft. Das geweckte Interesse führte zu regelmäßigen Besuchen der FC Bamberg-Heimspiele (noch in der Alten OR).
Dort „datzerte“ er in der Halbzeit und wurde dann auch zum FCB-Training eingeladen. Anschließend nahm alles seinen Lauf: 1962 Eintritt beim FC, die Teilnahme an der „Bayerischen“ geschafft, 1964 den Übungsleiterschein absolviert, in die 1. Herrenmannschaft aufgenommen und seine ehemalige A-Jugend als Trainer übernommen (und von da an bis 1972 als Jugendtrainer zweimal deutscher Vizemeister).
Am 11. April 1970 die „Krönung“ in Darmstadt: Bundesliga-Aufstieg! Bereits Mitte der Saison 1972/73 endete aber seine Zeit als Aktiver im Oberhaus, umso mehr widmete er sich nun der Trainer-Tätigkeit. Und siehe da: Schon in der Spielzeit 1974/75 bildete er zusammen mit Fritz „Fips“ Hofmann das vereinseigene FC-Trainer-Tandem, verstärkt durch Hilar Gese und Karl Ampt, das die wichtige Qualifikation für die einteilige Bundesliga schaffte.
Nach einer kurzen Co-Trainer-Station mit seinem Nachfolger Miodrag Nikolic verpflichtete ihn der Lokalrivale Post SV Bayreuth. Es liegt in der sportlichen Natur der Sache, dass es ihm schon in Bamberg etwas übel genommen wurde, dass Lorber auf der gegnerischen Bank saß, als der FC Bamberg in den sauren Abstiegs-Apfel beißen musste.
Bekanntlich heilt die Zeit oft Wunden - so auch im Sport: Im dritten Zweitliga-Jahr wurde ihm in der „Blauen“ wieder das FC-Zepter (aus beruflichen Gründen für ein Jahr) anvertraut - mit Erfolg, auch wenn dem FC Bamberg etwas die BBV-Statuten mithalfen. Der Erste aus Aschaffenburg erhielt aufgrund einer unbezahlten 15-DM-Rechnung zwei Strafpunkte und der FC avancierte zum Aufsteiger. Seine Trainer-Ära in der Bundesliga endete als TTL-Co-Trainer von Terry Schofield (1988/89).
Parallel dazu erhielt Lorber eine beruflich bedingte internationale Berufung: Als in Bamberg tätiger Lehrer für hör- und sprachbehinderte Kinder betreute er auch die Basketball-Schulauswahl, die beim bundesweiten Turnier in der Finalrunde in Berlin zweimal den Titel holte. Das führte, neben der Trainerqualifikation, zum Angebot des deutschen Gehörlosen-Sportverbands, die Nationalmannschaft zu übernehmen. Die Teilnahmen an der EM in Israel und den Weltspielen in Sofia und Kopenhagen bleiben in bester Erinnerung.
In den letzten Jahrzehnten verlief das Basketball-Leben für Rudi Lorber zweigleisig: Einerseits immer aufmerksam und live das BBL-Geschehen verfolgend und andererseits das erwähnte aktive „Dienstagsbassi“. Vor gut dreieinhalb Jahren durfte er sich mit seinen 1970er Teamkameraden anlässlich des (Corona-bedingt verspäteten) 50-Jahr-Jubiläums in das goldene Sportbuch der Stadt Bamberg eintragen und wurde mit der Mannschaft in der Brose-Arena herzlich begrüßt.
Zu seiner Basketball-Vita gehört auch das traditionsreiche Klaus-Haferkorn-Turnier: Mit den „Ruckerern“ nahm er 45mal teil, erzielte 928 Punkte und blieb nach deren Verabschiedung dem Turnier bis zum heutigen Tag als Schiedsrichter treu.
Bundesliga-Aufsteiger als Spieler und Trainer, als Headcoach und Co-Trainer im Oberhaus auf der Bank, erfolgreicher Jugendtrainer, ein „Haferkorn-Urgestein“ und als „Achtziger“ engagiert auf dem Parkett: Wenn das Attribut Basketball-Enthusiast zutrifft, dann sicher auf Rudi Lorber, der die Bamberger Basketball-Historie mitgestaltet hat.
Bertram Wagner

















